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Der Fuchs und die Frau Gevatterin
Die
Wölfin brachte ein Junges zur Welt und ließ den Fuchs zu Gevatter
einladen. 'Er ist doch nahe mit uns verwandt,' sprach sie, 'hat einen guten
Verstand und viel Geschicklichkeit, er kann mein Söhnlein unterrichten und
ihm in der Welt forthelfen.' Der Fuchs erschien auch ganz ehrbar und sprach
'liebwerthe Frau Gevatterin, ich danke euch für die Ehre, die ihr mir
erzeigt, ich will mich aber auch so halten, daß ihr eure Freude daran
haben sollt.' Bei dem Fest ließ er sichs schmecken und machte sich ganz
lustig, hernach sagte er 'liebe Frau Gevatterin, es ist unsere Pflicht,
für das Kindlein zu sorgen, ihr müßt gute Nahrung haben, damit
es auch zu Kräften kommt. Ich weiß einen Schafstall, woraus wir
leicht ein gutes Stück holen können.' Der Wölfin gefiel das
Liedlein, und sie gieng mit dem Fuchs hinaus nach dem Bauernhof. Er zeigte ihr
den Stall aus der Ferne und sprach 'dort werdet ihr ungesehen hineinkriechen
können, ich will mich derweil auf der andern Seite umsehen, ob ich etwa
ein Hühnlein erwische.' Er gieng aber nicht hin, sondern ließ sich
am Eingang des Waldes nieder, streckte die Beine und ruhte sich. Die
Wölfin kroch in den Stall, da lag ein Hund und machte Lärm, so
daß die Bauern gelaufen kamen, die Frau Gevatterin ertappten und eine
scharfe Lauge von ungebrannter Asche über ihr Fell gossen. Endlich entkam
sie doch und schleppte sich hinaus: da lag der Fuchs, that ganz kläglich
und sprach 'ach, liebe Frau Gevatterin, wie ist mirs schlimm ergangen! die
Bauern haben mich überfallen und mir alle Glieder zerschlagen, wenn ihr
nicht wollt daß ich auf dem Platz liegen bleiben und verschmachten soll,
so müßt ihr mich forttragen.' Die Wölfin konnte selbst nur
langsam fort, doch hatte sie große Sorge für den Fuchs, daß
sie ihn auf ihren Rücken nahm, und den ganz gesunden und heilen Gevatter
mühsam bis zu ihrem Haus trug. Da rief er ihr zu 'lebt wohl, liebe Frau
Gevatterin, und laßt euch den Braten wohl bekommen,' lachte sie gewaltig
aus und sprang fort.
Jacob Grimm 1785 - 1863 u. Wilhelm Grimm 1786 - 1859
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