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Die Zwerchpfeife
Es
war einmal ein König, der seine Freude an schönen Soldaten hatte.
Unter seinen Truppen war aber ein besonders großer und schöner Mann,
den er so hoch hielt, daß er ihn nie auch nur einen Tag in Urlaub lassen
wollte; dagegen gab er ihm Geld und Essen, so viel er verlangte. Das gefiel dem
Soldaten nicht übel, aber er zechte und verschwendete so über alle
Maßen, daß die Schatzkammer des Königs in Zeit von einem
halben Jahr kaum noch sechs Batzen übrig behielt. Da sah der König
ein, daß dieß nicht länger so gehn könnte und daß
er dabei zum armen Mann würde. Er gab dem Soldaten seinen Abschied und
dazu einiges Reisegeld, was die alte Königin ihm borgen mußte, und
einen Paß. Aber da der Soldat nicht sehr ans Sparen dachte, so war das
Geld weg ehe er sich's versah, und er fand, als er seinen Sack umkehrte, nur
noch ein kahles Sechskreuzerstück darin. Indem er nun so dahin schlenderte
auf der Landstraße, kamen zwei Reisende desselben Wegs und die hatten
auch zufällig kein Geld mehr. Da sprach der Eine: 'Da vor uns geht ein
Soldat, vielleicht hat der noch etwas übrig. Wir wollen einmal sehen, ob
er uns etwas gibt.' Sagt's und ging zu dem Soldaten und sprach, sie wären
arme Reisende, ob er ihnen nicht etwas schenken wollte. 'Hätt ich selber
was!' antwortete ihm der Soldat, 'da ist mein letztes Sechskreuzerstück;
aber komm, wir wollen's theilen. Das thaten sie in der nächsten Ortschaft,
blieben des Tags zusammen und schliefen auch zusammen in einer Herberge. Als
der Soldat am andern Morgen von seinen beiden Reisekameraden Abschied nehmen
wollte, sprach der Eine: 'Weil du ein so gutes Herz hast, so wähle dir
drei Dinge und du hast sie.' Das gefiel dem Soldaten wohl und er rief lustig:
'Dann wähle ich mir vor Allem eine große Bärenmütze, wie
die Grenadiere sie tragen, und ein Gewehr. Zweitens einen Tornister mit
Bandelier und schönen Hosen. Drittens ein Paar schöne Stiefel mit
Sporen.' 'Das sollst du haben,' sprach der Andre, aber dessen Gesell
ärgerte sich, daß der Soldat nichts Besseres begehrte und gab ihm
noch eine Zwerchpfeife dazu, welche die Eigenschaft hatte, daß Alles
tanzen mußte, wenn man sie blies. Dann nahmen sie Abschied und jeder ging
seines Weges. Der Soldat kam nach langem Wandern in ein Königreich, wo das
Betteln und Fechten bei Todesstrafe verboten war. Er that es dennoch und wurde
festgenommen und ins Gefängnis gesetzt, doch das machte ihm keinen Kummer
weil er dachte, das werde nicht lange dauern. Und dießmal hatte er sich
nicht verrechnet. Es war nämlich ein verwünschtes Schloß in der
Stadt, worin noch Niemand eine Nacht überlebt hatte. Der König
hätte es aber zu gern bewohnt; darum ließ er den Soldaten vor sich
führen und sprach zu ihm: 'Höre, ich will dir was sagen: wenn du in
dem verwünschten Schlosse schläfst und mir die Geister heraustreibst,
dann sollst du nicht nur frei sein, sondern ich gebe dir auch noch meine
Tochter zur Frau.' - 'Herr König, damit bin ich zufrieden,' sprach der
Soldat, 'wenn ihr mir nur gut Essen und Trinken mitgeben wollt.' 'Daran soll's
nicht fehlen,' antwortete der König. 'Auch guten Taback und eine Pfeife
muß ich haben,' sprach der Soldat, und der König versprach ihm das
gleichfalls.
Abends wurde der Soldat in das Schloß geführt und die Thür
hinter ihm geschlossen, nachdem man ihm Essen, Wein, Taback, eine Pfeife und
Feuerzeug hinein gestellt hatte. Er ließ sich's gut sein, aß und
trank nach Herzenslust und dann setzte er sich in einen Sessel und schmauchte,
daß es eine Art hatte. Gegen Mitternacht that es einen gräulichen
Schlag, die Thür fuhr auf und ein Teufel mit langem Schwanz und
großen Hörnern sprang herein. 'Aha, du bist ja ein munterer Kerl,'
sprach der Soldat, 'wart ich will dir eins aufspielen.' Damit setzte er seine
Zwerchpfeife an und blies ein Stückchen nach dem andern und der Teufel
tanzte wie besessen, daß seine Hörner an die Decke stießen und
sein Schwanz die Stube fegte, bis der dicke weiße Schaum auf ihm stand.
Da fing er an zu jammern und rief: 'Ich thue dir ja nichts, höre nur in's
drei Teufels Namen auf zu pfeifen!' - 'Noch nicht genug gesprungen' rief der
Soldat. ' Immer weiter herum!' Und da sprang der arme Teufel wieder, bis er vor
Müdigkeit hing, wie ein nasser Lumpen, so daß er meinte, er tanze
sich die Seele aus dem Leibe, und daß der Schaum von ihm herunterlief und
handhoch im Zimmer stand. Nun rief er wieder mit schwacher Stimme: ' Höre
jetzt auf, ich kann nicht mehr; ich will ja nie wieder in das Schloß
kommen.' 'Dann marsch zum Fenster hinaus,' sprach der Soldat, und gab ihm einen
Fußtritt, daß er wenigstens fünfzig Schritt weit hinaus flog.
Darauf machte er das Fenster zu und legte sich schlafen.
Am folgenden Morgen kam der König, um nachzusehn, wie es dem Soldaten
gehe. Er dachte, dem würde es ergangen sein, wie allen anderen, die vor
ihm in dem Schloß geschalfen hatten; doch er fand ihn im Bett, wo er aus
allen Tonarten schnarchte. Da war keiner vergnügter, als der König.
Er weckte den Soldaten, nahm ihn mit sich in sein Schloß und ließ
gleich die Hochzeit halten. Niemand war froher, als der Soldat, der jetzt in
Saus und Braus lebte bis sein Sterbestündchen kam. Da befahl er der
Prinzessin, daß sie ihn mit seiner Montur und seinem Tornister begraben
lassen solle. Die dachte aber, das schicke sich nicht für einen Prinzen
und ließ ihn in schöner Uniform mit Orden und Sternen begraben. Doch
da fing der Soldat an zu spuken und kam jede Nacht an das Bett der Prinzessin
und rief: 'Ich will meinen Tornister! ich will meinen Tornister!' In dem
Tornister lag nämlich seine Zwerchpfeife und er ruhte nicht eher, bis er
dieselbe hatte. Dann ging er vor die Himmelsthür und klopfte an. Sankt
Peter schaute durch ein Fensterchen neben dem Thor, zu sehen wer da sei. Als er
aber den Soldaten erblickte rief er: 'Marsch weg, hier darfst du nicht herein!
Warum hast du dir damals nicht statt der Montur die himmlische Seeligkeit
erbeten"! Jetzt sieh, wo du unterkommst.' 'Wenn's nicht anders ist, auch
gut,' sprach der Soldat und wanderte wohlgemuth der Hölle zu. Da kam ihm
eine Menge von Teufeln entgegen, aber er hatte keine Furcht, sondern pfiff
lustig auf seiner Zwerchpfeife und ging so in die Hölle hinein. Da
mußten nun alle Teufel tanzen, was gar possirlich zu sehn war, den
Teufeln aber so wenig gefiel, daß sie alle heulten und schrieen, er
möge doch aufhören. ' Ja wohl ich höre auf,' sprach er, 'wenn
ihr mir's schriftlich gebt, daß ihr mich zum Obersten in der Hölle
macht.' 'Das wollen wir ja gern! das wollen wir ja gern!' schrieen die Teufel
und setzten alsbald seine Ernennung als Oberst auf. So bekam er eine gute
Anstellung in der Hölle und wenn er nicht abgesetzt worden ist, dann hat
er sie noch.
Johann Wilhelm Wolf 1817 - 1855
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