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Die schöne junge Braut
Es
ging einmal ein hübsches Landmädchen in den Wald, um Futter für
ihre Kuh zu holen; wie sie nun in Gottes Namen grasete und an gar nichts Arges
dachte, so kamen auf einmal viele Räuber, umringten sie und führten
sie mit sich fort, ohne Gnad' und Barmherzigkeit, sie mochte schreien und
zappeln, bitten und betteln so viel sie wollte. Weit ab von des Mädchens
Heimath in einem finstern Walde hatten die Räuber ein Haus, worin sie sich
aufhielten, wenigstens blieben immer einige daheim, wenn die andern auf Raub
auszogen. Dem Mädchen thaten aber die Räuber weiter nichts zu Leide,
als daß sie sie eben aus ihrer Heimath fortführten, und sie in dem
Hause gleichsam gefangen hielten; sie mußte den Haushalt besorgen,
kochen, backen und waschen, sonst hatte sie es gut, wurde aber immer scharf
bewacht. Dabei hatten ihr die Räuber den Namen gegeben: Schöne junge
Braut!
So war nun das Mädchen schon einige Jahre in der Räuberherberge, als
es sich einmal traf, daß ein Hauptraub ausgeführt werden sollte, an
dem, wenn er gelingen sollte, die ganze helle Bande Theil nehmen mußte.
Da das Mädchen sich an das Leben in der Räuberhöhle nun
gewöhnt zu haben schien, auch noch keinen Versuch zu entfliehen gemacht
hatte, und auch schwerlich durch den wilden Wald die Wege finden würde -
so dachte der Hauptmann - so blieb sie diesesmal allein und unbewacht im
Waldhause zurück. Aber die Räuber waren kaum fort, so sann die
schöne Braut darauf, wie sie unerkannt entfliehen könne. Sie machte
geschwind eine Gestalt von Stroh, zog derselben ihre Kleider an, setzte ihr
ihre Haube auf, sich selbst aber bestrich sie von Kopf bis zu den
Füßen mit Honig, wälzte sich darauf über und über in
Federn, so daß sie ganz unkennbar wurde, und aussah, wie ein seltsamer
Vogel. Die Gestalt in ihren Kleidern lehnte sie an ein Fenster über der
Hausthür, und ließ sie hinaussehen, doch mit verdecktem Gesicht, und
dann eilte sie von dannen.
Mochte es aber nun sein, daß dem Hauptmann eine Ahnung von des
Mädchens beabsichtigter Flucht kam, oder daß etwas vergessen worden
war, genug, er sandte einige seiner Räuber nach dem Hause zurück, und
gerade mußte es sich treffen, daß ihnen auf ihrem Wege das fiedrige
Käuzlein aufstieß. Sie dachten aber, es wäre einer ihrer
Kumpane, der sich unkenntlich gemacht hätte, und riefen die Gestalt
lachend und fragend an:
"Wohin, wohin, Herr Federsack?
Was macht die schöne junge Braut?"
Diese, die es selbst war, war zwar sehr erschrocken, doch faßte sie sich
ein Herz, und antwortete mit verstellter Stimme:
"Sie fegt und säubert unser Haus
Und schaut wohl auch zum Fenster heraus!"
Damit machte sie, daß sie den Räubern aus dem Gesichte kam, kam auch
glücklich aus dem Walde, erreichte ein Dorf, kaufte sich Kleider, badete
sich, und erlangte glücklich und wohlbehalten, obschon nach langer
Wanderung, ihre Heimath wieder, und da sie nicht gerade das Beste in der
Räuberherberge zurückgelassen hatte, sondern für ihren Jahrlohn
mitgehen heißen, so hatte sie auch wohl zu leben und heirathete einen
wackern Burschen.
Jene Räuber, wie die nun des Hauses ansichtig wurden, sahen die Gestalt
der schönen jungen Braut am Fenster und grüßten schon von
weiten, indem sie riefen:
"Grüß Gott, o schöne junge Braut,
Die freundlich uns entgegen schaut."
Da aber der Gruß unerwiedert blieb, so verwunderten sich die Räuber,
und als sie näher kamen, vermeinten sie, die schöne junge Braut sei
eingeschlafen. Vergebens riefen sie, sie ermunterte sich nicht; vergebens
geboten sie ihr, zu öffnen, alle ihr Pochen und Schreien, Rufen und
Schelten war erfolglos, und wüthend traten sie zuletzt die Thüre in
Trümmern, stürmten die Treppe hinauf, und faßten die Gestalt
der schönen jungen Braut hart an, da fiel ihnen die Strohpuppe in die
Arme. Da riefen die Räuber:
"Fahr' wohl, du schöne junge Braut!
Ein Thor ist, wer auf Weiber baut!"
Ludwig Bechstein 1801 - 1860
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