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Die Schlange im brennenden Wald
Es
war in einem heißen Sommer, da zündeten zwei Hirtenknaben ein
Feuerchen im Walde an, um sich Kartoffeln zu braten. Aber das Feuer
erfaßte das dürre Laub, dann das dürre und endlich auch das
grüne Holz und da der Wind heftig wehte, so stand bald der ganze Wald in
Flammen. Am Rande des Waldes arbeitete ein Bauer auf seinem Felde. Als er dem
Feuer so zusah, wie es an den Bäumen emporleckte, das grüne Laub
fraß und endlich Zweig um Zweig ergriff, hörte er plötzlich,
wie eine Stimme aus dem Feuer ihn beim Namen rief. Er eilte darauf zu, da sah
er ein Schlänglein, welches sich auf einen Baum gerettet hatte, das
schaute ihn mit flehenden Augen an und rief: 'Ach hilf mir doch aus dem Feuer!'
Der Bauer nahm eine lange Stange und hielt sie ihm dar, da verließ es den
Baum und ringelte sich um die Stange. Der Bauer aber legte es ins Gras, machte
eine Grube in die Erde und sprach: 'Komm, daß ich dich in das Kühle
lege, das ist gut für Brandwunden.' Da wand das Schlänglein sich von
der Stange los und kroch in die Grube und der Bauer deckte es mit Erde zu, so
daß ihm nur der Kopf herausschaute. Als es eine Weile so dagelegen hatte,
sprach es: 'Ein Dienst ist des andern werth, plagt dich nicht ewiger
Magenschmerz?' 'Das weiß der Himmel', sprach der Bauer, 'ich habe Tag und
Nacht keine Ruhe davor.' 'Dann lege dich hier neben mich auf die Erde,
drück die Augen zu und sperre den Mund auf sprach das Schlänglein.
Der Bauer that es, husch schlüpfte das Schlänglein aus der Grube
heraus, dem Bauern durch Mund und Schlund und holte aus seinem Magen sieben
junge Eidechsen heraus, welche ihn schon Jahr und Tag geplagt hatten. Als der
Mann die Thiere sah und seinen Magen so frei fühlte, wußte er vor
lauter Dankbarkeit nicht, was machen. Da sprach das Schlänglein: 'Du
kannst mir einen großen Dienst erweisen und es kostet dich gar nichts.'
'Ach so sag es doch schnell,' rief der glückliche Bauer, 'Alles was du
willst, sag es nur.' 'Nun so nimm dein Beil und haue mir den Kopf ab,' sprach
das Schlänglein. 'Gott behüte mich,' rief der Bauer, 'das thue ich
nun und nimmermehr.' Da bat das Schlänglein aber so flehentlich darum und
hielt ihm vor, er solle doch nicht sein Glück verscherzen, bis er endlich
sein Beil nahm, den Kopf herumdrehte und einen kräftigen Schlag that. Da
fuhr das Schlangenhaupt weit weg, aber aus dem Leib stieg die schönste
Prinzessin heraus, die sprach: 'Hast du mich aus meiner Verwünschung
erlöst, so will ich dich aus deiner Armuth erlösen.' Der Bauer
mußte sie ins Schloß fahren, da war große Freude, als der
König und die Königin sie wiedersahen. Zum Lohne wurde der Wagen,
womit der Bauer sie heimgebracht hatte, mit Gold beladen, so schwer als die
Pferde ziehen konnten, da war der gute Bauer der reichste Mann im ganzen
Königreich.
Johann Wilhelm Wolf 1817 - 1855
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