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Der Geiger und seine drei Gesellen
Ein
Graf hatte einen Geiger in seinem Schlosse, der spielte gar schön und
vertrieb ihm manche böse Laune. Plötzlich starb aber der Graf und da
hatte der arme Geiger kein Brod mehr, denn die Erben wiesen ihn aus dem
Schlosse und er konnte betteln gehn. Da geigte er vor den Thüren der
Reichen und der Armen und bekam wohl auch Geld und Brod, aber es kam ihm doch
hart an, da er es viel besser gewohnt war. Bettelbrod, saures Brod dachte er
oft und war recht betrübt, so daß ihm das Weinen näher stand
als das Lachen. Eines Abends kam er in einen Wald, da legte er sich unter einer
Eiche nieder, betete recht fromm und schlief ein. Als er Morgens aufwachte,
stand ein alter Mann mit grauen Haaren vor ihm, der sah ihn an und fragte:
'Lieber Musikant, wo fehlt's denn? Ich dächte, du müßtest immer
lustig sein.' Der Geiger klagte ihm seine Noth, da sprach der Greis: 'Dir kann
geholfen werden. Gehe in dem Walde fort, so kommst du an ein altes verfallenes
Schloß, da geh hinein, rühre aber nichts an, bis du an ein Zimmer
kommst, worin ein Korb mit drei jungen Schweinchen steht, die nimm mit, sie
sind dein Glück.' 'Wie verstehe ich das?' fragte der Geiger und der Greis
antwortete: 'Wenn du geigest, tanzen sie. Nimm sie mit zu des Königs
Schloß, da wohnt die Prinzessin', die ist zwanzig Jahre alt und hat noch
nie gelacht. Wer sie aber zum Lachen bringt, soll sie zur Gemahlin bekommen,
das hat der König ausrufen lassen, und sie wird lachen, wenn sie deine
drei Schweinchen tanzen sieht. Jetzt weißt du genug. Fehlt dir in der
Folge etwas, dann denke nur an mich und ich will bei dir sein.'
Der Geiger dankte dem Greis und ging in dem Walde fort, bis er an eine
große Lichtung kam, da lag das Schloß. Es sah zwar von außen
verfallen aus, aber als er hinein kam, war es gar schön darin. Im Hofe lag
ein großer Weiher, darauf schwammen drei schwarze Schwäne, die
ließen die Köpfe hängen, als ob sie traurig wären. In den
Zimmern waren große Reichthümer aufgehäuft, aber alles war
schwarz ausgeschlagen. In dem letzten Zimmer endlich stand der Korb mit den
drei Schweinchen, den nahm der Geiger und kehrte zurück bis vor das
Schloß; da holte er seine Geige heraus und spielte einen Hopser. Alsbald
sprang das erste Ferkel heraus, stellte sich auf die Hinterbeine, wedelte mit
dem Schwänzchen und machte mit den Vorderfüßen allerhand
Bewegungen. Da kam das zweite hinzu und gleich drauf das dritte, und alle drei
tanzten und sprangen und quiksten dazu, daß der Geiger sich hätte
todtlachen mögen.
Jetzt schwoll ihm der Muth und er zog getrost der Hauptstadt des
Königreiches zu. Da stellte er sich vor das Schloß auf den
großen Platz und fing an zu geigen und spielte so schön, daß
der König mit seiner ganzen Familie ans Fenster kam, auch die schöne
Prinzessin. Als der Geiger sie sah und wie sie ein so trostloses Gesicht
machte, öffnete er seinen Korb, da sprangen die Schweinchen eins nach dem
andern heraus und tanzten so possig, daß die Prinzessin vor Lachen gar
nicht zu sich kommen konnte und rief und flehte, er möge doch die Ferkel
wieder einsperren, sie stürbe sonst vor Lachen. Da wurde der Geiger ins
Schloß beschieden und der König fragte ihn, was er für seine
Schweinchen haben wolle? 'Ich verkaufe sie nicht,' sprach der Geiger, 'denn sie
tanzen nur, wenn ich aufspiele, aber ich begehre nun die Prinzessin zur Frau,
da ich sie zum Lachen gebracht habe.' 'Das versteht sich von selbst, komm
laß uns zu ihr gehen,' sprach der König.
Als sie zu ihr kamen und der König ihr sagte, der Geiger sei ihr
Bräutigam, ärgerte sie sich, denn sie war gar stolzen und
hochfahrenden Sinnes. 'Wenn mein Vater dir eine Aufgabe gestellt hat, um mich
zu erwerben,' sprach sie, 'so stelle ich dir auch eine und die ist, daß
du drei Nächte in dem verwünschten Schloß im Walde
schläfst. Jetzt gehe und komme mir nicht eher wieder vor die Augen, bis du
die Aufgabe gelöst hast.' Da ging der Geiger gar traurig weg und der
König, dem das leid that, führte ihn in ein schönes Zimmer und
ließ ihn prächtig bedienen. Er aß aber nichts und trank
nichts, blieb auch nicht in dem Schlosse, sondern ging in den Wald. Da fiel ihm
ein, was der Greis ihm gesagt hatte und er dachte sehnlich an ihn; sogleich
stand der Greis neben ihm, so schnell, als wenn die Sonne plötzlich hinter
den Wolken hervorkommt und man mit einemmale seinen Schatten neben sich sieht.
'Was fehlt dir denn? Du siehst so traurig aus,' fragte der Greis. Der Geiger
erzählte ihm Alles und der Greis gab ihm gute Rathschläge, so
daß er fröhlichen Herzens dem Schlosse zuschritt.
Es war dasselbe Schloß, wo er die drei Schweinchcn geholt hatte. Als er
in den Hof, kam, hoben die drei schwarzen Schwäne die Köpfe und
schlugen mit den Flügeln, als ob sie sich freuten. Er kehrte sich aber
nicht an sie, sondern ging in das vierte der schwarzen Zimmer, da stand ein
Tisch mit allerlei Speisen und er ließ es sich recht wohlschmecken. Gegen
elf Uhr in der Nacht nahm er einige Kissen von dem Bette, welches in der Stube
stand, legte sie auf den Boden und sich darauf, wie ihm der Greis befohlen
hatte; einschlafen aber konnte er nicht. Er lag nicht lange, als die Thür
aufsprang und eine große Schlange sich hereinringelte, die kam auf ihn zu
und legte ihren kalten Kopf in sein rechtes Ohr. Gleich darauf sprang die
Thür wieder auf und eine zweite Schlange kam, welche ihren Kopf in sein
linkes Ohr legte. Dann kam zuletzt eine dritte, die legte sich mit ihrem kalten
glatten Leibe quer über seinen Hals und sie war so schwer, daß sie
ihn wie ein Mühlstein drückte. Also blieben sie alle drei liegen bis
zwölf Uhr, dann krochen sie wieder der Thür zu und waren
verschwunden; er aber stand auf, und legte sich in sein Bett, wo er nach dem
ausgestandenen Schrecken ganz prächtig schlief, denn daß er nicht
ohne Angst war, kann man sich wohl denken. Am Morgen stand sein
Frühstück schon bereit, das ließ er nicht kalt werden, denn er
hatte gewaltigen Hunger. Alsdann ging er in dem Schlosse umher und schaute sich
die Zimmer alle an. Zuletzt kam er auch in den Schloßhof und an den
Teich; da flogen die Schwäne auf ihn zu und thaten gar freundlich mit ihm.
Sie waren aber nicht mehr ganz schwarz, wie am Tage vorher, sondern ihre
Köpfe und Hälse waren jetzt schneeweiß. Er strich sie mit den
Händen über ihr Gefieder, da blickten sie ihn mit gar klugen Augen
an, so daß ihm ganz sonderbar ums Herz wurde.
Also ging ihm die Zeit vorüber bis zum Abend, da machte er sich sein Lager
zurecht und bald kamen die Schlangen wieder und legten sich zu ihm, wie in der
vorigen Nacht. Dießmal drückte ihn die eine, welche auf seinem Halse
lag, noch viel schwerer, doch er rührte und regte sich nicht und um
zwölf Uhr verschwanden sie wieder. Als er des Morgens an den Teich im
Schloßhofe kam, ach da flatterten die Schwäne gar zu freudig auf dem
Wasser und sie waren jetzt weiß bis zum Schwanze, der hatte noch einige
schwarze Federn. Das freute ihn so sehr, daß ihm der Tag verstrich, er
wußte nicht wie.
In der folgenden Nacht ging's ihm wieder, wie die beiden vorigen Nächte,
nur drückte ihn die dicke Schlange dießmal, daß er es kaum
aushalten konnte und all seine Kraft zusammen nehmen mußte, um nicht zu
schreien. Als die Schlangen aber um zwölf Uhr verschwanden, da krachte das
Schloß, als sollte es zusammenbrechen, dann wurde es ganz still. Morgens
stand er schon früh auf, um nach seinen lieben Schwänen zu sehen,
aber als er die Thür seines Zimmers öffnete, da kam im Gange eine
ganze Reihe von Dienern und Dienerinnen daher geschritten und zuletzt drei
schöne Jungfrauen, die traten zu ihm heran und sprachen: 'Wir waren die
drei Schwäne und die drei Schlangen, du hast uns erlöst aus unserer
Verwünschung. Wir gehen nun heim zu unserm Vater und schenken dir zum
Danke dieß Schloß mit allen Schätzen, welche darin sind.'
Alsdann nahmen sie Abschied von ihm, setzten sich in einen Wagen und fuhren
weg.
Nun wurde ihm die Zeit bald zu lang in dem Schloß, er befahl den Dienern,
den schönsten Wagen mit den schönsten Pferden zu bespannen und fuhr
in das Schloß des Königs. Diesem erzählte er Alles und er
führte ihn zu der Prinzessin, sprach: ' Er hat sein Leben für dich
eingesetzt und jetzt mußt du ihn heirathen; er kann dich ernähren,
denn er hat ein Schloß mit großen Reichthümern.' Sie
antwortete: 'Die Schätze sind mir nicht genug, er muß vorher beim
Kaiser von Marokko das Geld holen, welches derselbe uns seit Jahren schuldig
ist; es ist eine ganze Schatzkammer voll.' Das ärgerte den König,
aber er war recht schwach und die Prinzessin war gar eigensinnig und wenn sie
etwas wollte, so setzte sie es durch. So blieb dem Geiger nichts übrig,
als zu sehen, wie er diese neue Aufgabe erfüllen könne.
Er ging vor die Stadt hinaus, da fiel ihm der Greis ein und kaum dachte er an
ihn, so stand er auch schon da. 'Du siehst mir ja wieder recht betrübt
aus, was fehlt dir denn?' fragte der Greis und der Geiger erzählte ihm von
der neuen Aufgabe, die so schwer sei, daß er nicht wisse, wie man sie
ohne eine große ' Flotte mit vieler Seemannschaft lösen könne.
Sprach der Greis: 'Nimm dir Reisegeld aus deinem Schlosse und reise ans Meer.
Unterwegs werden dir wackere Gesellen aufstoßen, die nimm mit, sie sind
dir von großem Nutzen.' Da wurde der Geiger wieder guten Muthes, stopfte
sich in seinem Schlosse die Taschen voll Geld und zog dem Meere zu.
Der Weg führte aber durch einen Wald, der war sehr lang. Als er eine
Tagereise weit darin war, hörte er ein Krachen und Rumoren, als wenn
Bäume umstürzten. Er ging auf das Geräusch zu, da sah er einen
Kerl, der riß Eichen aus, wie unser einer ein Unkraut; die legte er auf
einen Haufen, drehte eine junge Eiche und band sie damit zusammen. ' Was machst
du da und wer bist du denn?' fragte der Geiger. 'Wer ich bin? Der Hans bin
ich,' sagte der Kerl, 'der sieben Jahr an seiner Mutter Brust gelegen und
sieben Jahr Löwenmilch getrunken hat. Meine Mutter will Wäsche halten
und dazu habe ich ihr ein wenig Reisig geholt.' ' Das ist schon einer; dachte
der Geiger und sprach: 'Höre, ich will dir 'was sagen, ich gebe dir Kost
und einen guten Lohn: willst du mit mir gehn?' ' Das will ich wohl,' sagte der
Hans, 'aber zuvor muß ich meiner Mutter das Bündel heimtragen.'
That's und kam bald zurück; da zogen die Beiden mit einander fort und der
Geiger freute sich, einen so wackern Gesellen gefunden zu haben.
Als sie einige Stunden weiter gereist waren, kamen sie zu einer Höhe, von
der herab sie sieben und siebenzig Windmühlen sahen, welche alle lustig
ihre Flügel drehten und war doch kein Wind zu spüren. Auf der andern
Seite der Hohe trafen sie auf einen Kerl, der hielt ein Nasenloch zu und blies
mit dem andern, was gibst du, was hast du. 'Was machst du denn da?' fragte der
Geiger und der Kerl antwortete: 'Seht ihr denn nicht, daß ich die
Windmühlen dort in Schwung setzen muß?' 'So nimm doch deine beiden
Nasenlöcher dazu' sprach der Geiger. 'Das würde schöne
Geschichten geben,' erwiederte der Kerl. 'Dann flögen die Mühlen weg,
daß man ihre Spur nicht mehr sähe.' 'Höre, laß mit dir
reden, ich gebe dir Kost und gute Löhnung, dann gehst du mit uns' sprach
der Geiger und der Bläser war dessen zufrieden, denn er wurde schlecht
für seine Mühe bezahlt.
So zog der Geiger selbdritt weiter, da kamen sie an eine große Waldwiese,
wo Hasen und Rehe in Menge herumsprangen. Sprang da auch ein Kerl zwischen
ihnen, der eins fangen wollte, aber wie schnell auch die Thiere liefen, er
sprang stets weit über sie hinaus. 'Was machst du da?' rief der Geiger und
der Kerl antwortete: ' Ei das seht ihr wohl, ich möchte mir einen Hasen
fangen, aber sie laufen so langsam; mit den Rehen geht es etwas besser, aber
langsam sind sie doch.' 'Du bist mein Mann' sprach der Geiger. 'Wenn du mit mir
gehn willst, gebe ich dir Kost und guten Lohn.' 'Ich bin dabei' sagte der
Läufer und ging mit.
Jetzt hatten sie nicht mehr weit bis zur See und da trafen sie gerade ein
Schiff an, welches direkt nach dem Königreich Marokko fuhr. Der Geiger
stieg mit seinen Gesellen hinein und sie waren bald auf der hohen See. Da sahen
sie von ferne drei Schiffe kommen, welche mit vollen Segeln auf sie zueilten.
'O weh jetzt sind wir verloren, da kommen drei Schiffe mit Seeräubern!'
rief der Steuermann. Da sprach der Bläser: 'Laß nur recht nahe
heran, damit ich sehen kann, wie solch ein Kerl aussieht, hernach will ich uns
schon Ruhe vor ihnen schaffen. ' Als sie nun ganz nahe waren, rief der
Hauptmann der Seeräuber: 'Jetzt ergebt euch, oder ihr werdet alle
ermordet.' 'Ei was du sagst! Ist das dein Ernst?' fragte der Bläser und
blies aus einem Nasenloch das eine Schiff an, da flog es in die Luft,
überschlug sich und fiel ins Wasser; dann blies er die beiden andern mit
beiden Nasenlöchern an und in Zeit von einer Minute sah man sie nicht mehr
und wußte Niemand, wohin sie geflogen waren. 'Wo, das hast du für
dein großes Maul,' sagte er und ging wieder zu seinen Kameraden.
Um folgenden Tage kamen sie in dem Königreich Marokko an und der Geiger
ließ sich zum König führen. Der König lachte, als er seine
Botschaft ausrichtete und das Geld zurück verlangte. Er sprach: ' Du
sollst so viel davon haben, als ein Mann tragen kann, mehr gebe ich dir nicht,
das sage deinem König und wenn er mehr wolle, solle er es sich selbst
holen.' 'Damit bin ich ganz zufrieden' sprach der Geiger, ' ich will nicht
mehr, als mein Geselle Hans tragen kann.' Sogleich ließ er einige
Zimmerleute kommen, die mußten einen großen, großen Kasten
aus starkem Holz zusammenschlagen, der wurde vor des Königs Schatzkammer
gestellt. Der König wollte sich todt lachen, als er den Kasten sah und
ließ einen Sack Gold nach dem andern hineintragen, aber so viel hatte er
doch nicht, daß der Kasten voll wurde. Da kam Hans, sah sich den Kasten
an und sprach: ' Der ist ja halb leer, was soll das heißen? Voll
muß er sein, sonst ist's ja nicht der Mühe werth, ihn zu heben.' Da
lachte der König noch mehr, aber der Geiger sprach: 'Wir wollen es gut
sein lassen, komm Hans. Jetzt griff Hans an, wupps, da saß der Kasten auf
seiner Schulter und er ging mit dem Geiger und den beiden andern Gesellen fort.
Jetzt verging dem König das Lachen und er lief was er konnte in sein
Schloß, wo er Befehl gab, die Vier sogleich zu verfolgen und dazu sollte
alle Mannschaft, Infanterie und Kavallerie ausrücken.
Also kamen die Vier ans Stadtthor, da ging der Kasten nicht durch, denn er war
viel größer als das Thor. Hans setzte, ihn nieder, schmiß das
ganze Thor zusammen und ging weiter der See zu. Kaum hatten sie aber die Stadt
im Rücken, da gab es Lärm und die ganze Armee des Königs eilte
ihnen nach. 'Halt da, das ist ein Spaß für mich,' sagte der
Bläser und öffnete ein Nasenloch ein wenig, da flog die ganze Armee
wie eine schwarze Staubwolke in die Luft und über die Stadt hinüber,
daß es eine Lust war anzusehn. Ungestört gingen sie jetzt zu Schiffe
und in das Königreich zurück.
Jetzt sollte man meinen hatte die Prinzessin zufrieden sein müssen, aber
nein, es war als hätte sie einen Haß auf den Geiger geworfen. Als er
ihr alle die ungeheuren Schätze brachte sprach sie: 'Jetzt ist es gut und
ich will dich heirathen, doch mußt du mir zum Hochzeitsbraten drei Rehe
liefern, die dürfen nicht geschossen, nicht geschlagen und nicht von
Hunden gebissen sein.' 'Dann kann die Hochzeit morgen schon stattfinden,' sagte
der Geiger, 'denn ich will die Rehe heute noch liefern.' 'Erst will ich sie
sehen,' erwiederte die Prinzessin. Da ging er zu seinen Gesellen und schickte
den Bläser an das Ende des Waldes, welcher vor der Hauptstadt lag, da
mußte er zuerst mit einem, dann mit beiden Nasenlöchern blasen. Dem
Läufer band er die Beine zusammen, so daß er nicht so große
Sprünge machen konnte und blieb mit ihm und Hans, der einen großen
Sack trug vor dem Wald stehn. Als der Bläser anfing zu blasen, da kam das
Wild zu Tausenden aus dem Walde; der Läufer sprang den Rehen nach und fing
sie ein und wenn er ein halb Dutzend hatte trug er sie zu Hans, der sie in
seinen Sack steckte. Als der Sack voll war, ging der Geiger mit seinen Dienern
wieder zum Schlosse und der Läufer sprang voraus übers Stadtthor und
zwei Reihen Häuser weg. Vor dem Schlosse wurden die Straßen
abgesperrt und Hans öffnete seinen Sack, da liefen wohl achthundert Rehe
heraus. Der Geiger aber ging zur Prinzessin und sprach: 'Jetzt könnt ihr
euch drei zum Hochzeitsbraten wählen.'
Nun war nichts mehr zu machen, die Prinzessin mußte den Geiger nehmen und
sogleich ernannte ihr Vater ihn zum Vicekönig. Die drei Diener aber
erhielten sehr gute Besoldung auf Lebenszeit. Nun hätte der Geiger gern
auch dem Greise seinen Dank abgestattet und dachte: 'Wäre er doch jetzt
hier!' Da stand der Greis neben ihm und er fiel ihm zu Füßen und bat
ihn zu sagen, wie er sich ihm dankbar beweisen könne? Sprach der Greis:
'Räume mir eine Kammer in deinem Schlosse, wo ich jede Neujahrsnacht
schlafen kann, denn nur einmal im Jahr komme ich hierher, das ist dein Dank und
mein Lohn.' Solches geschah und das Glück wohnte im Schlosse und wich
nicht draus.
Johann Wilhelm Wolf 1817 - 1855
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