| |
Vom Hänschen und Grethchen, die in die rothen
Beeren gingen
Hänschen
und Grethchen waren noch kleine Kinder, als sie einmal mit einander hinaus in
den Wald gingen, um rothe Beeren zu suchen. Jedes hatte ein Töpfchen. Ehe
sie den Wald erreichten, kamen sie an einen Teich, darinnen gar schöne
Fischchen herumschwammen, die aussahen wie das blanke Silber. Davon fingen sich
die Kinder einige, und thaten sie in ihre Töpfchen; dann pflückten
sie im Wald noch gar viele rothe Beeren und thaten sie hinein zu den Fischen,
bis das Töpfchen ganz voll war. Dann fanden sie zwei schöne
Messerchen, und die legten sie oben darauf. Aber, als sie eine kleine Strecke
durch den Wald gegangen waren, sahen sie einen großen Bären entgegen
kommen; da fürchteten sie sich sehr, und versteckten sich, und
ließen in der Eile ihre Töpfchen zurück, die der Bär, als
er herbei kam, mit sammt den Fischen und Beeren auffraß, Und auch die
Messerchen verschluckte er. Dann tappte er wieder fort. Die Kinder, als sie
sich wieder hervorwagten aus ihrem Versteck, und sahen daß ihre Fische
und Beeren und Töpfe und Messer gefressen waren, fingen sie sehr an zu
weinen, und gingen nach Hause, und sagten es ihrem Vater. Der machte sich
schnell auf, nahm ein langes Messer mit, ging hinaus in den Wald, und schnitt
dem Bären den Leib auf, und that alles wieder heraus: die Beeren, die
Fischchen, die Töpfchen und Messerchen und gab es seinem Hänschen und
Grethchen wieder. Da waren die Kinder voll Fröhlichkeit, und trugen ihre
Töpfchen heim, und aßen die rothe Beeren, und aßen ihre
Fischchen, und spielten mit den schönen Messerchen.
Ludwig Bechstein 1801 - 1860
|
|